Der Abend hatte sich mit
Dämmerschein
Und thau’gem Kuß um Thal und
Höh’ geschlungen,
Mit Feierklängen bracht’ von
tausend Zungen
Den letzten Gruß der West aus
Flur und Hain.
Wo lichte, gold’ne Wölkchen
sich verstreu’n,
Hat sich der letzte Strahl
hinab geschwungen,
Zerfließend sanft in ros’ge Dämmerungen,
Im blauen Dfte ferner
Bergesreih’n.
Wie Stille nun und Friede
niederschwebt,
Nur leis durchzittert von des
Abends Hauche,
So hat sich Ruhe mir in’s Herz
geneigt;
Und wie der letzte Schein in
Nacht verwebt,
Verschmilzt mein Lied mit
jenem Hüttenrauche,
Der mit dem Abendsegen
aufwärts steigt.
Schon über’s Thal der Tannen
Schatten schreiten,
Indeß die Berge glüh’n im
Abendschimmer,
Fern haschen Wölkchen nach dem
letzten Flimmer,
Wie Kindlein sich um Vaters
Küsse streiten.
Wie seh’ ich gern den Tag
hinunter gleiten!
Wie sanft ermattend sich die
Strahlentrümmer
Hier um die Höhen, dort und
weiter immer
Zum Abschiedskuß mit
Purpurarmen breiten.
Welch süßer Tod, mit offnen
klaren Blicken
An jedes Herz den Scheidegruß
zu schicken
Und lächelnd dann zum Licht
hinüber schweben!
So möcht’ dereinst ich
scheiden aus dem Leben,
Noch einmal was ich liebt’ im
Arme halten,
Bis Herz und Lippen bleichen
und erkalten.
O Traurigkeit! die du mit
ernster Gluth
Mir frühe schon bist an das
Herz gesunken,
Du weckest in der Seele
Gottesfunken,
Die dort in tiefer
Schlummerhaft geruht.
Wohl höhnt die Welt dich ob
der Thränenfluth
Und Aberwitz nimmt dich für eitles
Prunken,
Doch wer von deinem Kelche
recht getrunken,
Dem flammet auf das Herz in
Feuermuth.
Will nichts im Leben Stand und
Dauer halten,
Sinkt Blüthen gleich was edel
gut und schön,
Und siegt das Böse nur und das
Gemeine: -
Umhüllend mich mit deines
Mantels Falten,
Trägst du mich aufwärts zu des
Himmels Höh’n,
Führst mich aus Nacht in
Morgenlichtesreine.
I.
Hier will ich ruh’n im Duft
der Nacht, zu träumen
Und von der Brust des Tages
Ketten streifen,
Bald trunk’nen Aug’s in alle
Himmel schweifen,
Bald lauschen dort dem
Flüstern in den Bäumen.
Ihr dort, in euren öden
Hüttenräumen,
Wo nie des Lebens schön’re
Frucht will reifen,
O könntet ihr die Wollen all’
ergreifen,
Die aus dem Schooße solcher
Stunden schäumen!
Ihr aber irrt gebückt auf
trüben Wegen,
Begierig haschend nur nach
nicht’gen Schätzen,
Und Haß und Hader eu’ren Sinn
umschließen;
O blickt zur Nacht inauf, daß
ihren Segen
Der Liebe Allgewalt,
verdrängend nied’re Götzen,
In’s Herz euch mög’ mit
Himmelsodem gießen!
II.
Die Rüster ächzt und seufzend
bebst der Strauch,
Die Birke flattert leis im
Sternenlichte,
Ein Flüstern ist’s, wohin das
Ohr ich richte,
Geheimnißvoll und doch
verständlich auch.
Vernimmt mein Geist den
wundermächt’gen Hauch,
Dann ist’s als säh’ ich
himmlische Gesichte,
Als ob erschlössen sich von
Schicht zu Schichte
Die Wunder bess’rer Welten
meinem Aug.
Und ob der Sinn dies Alles
kaum versteht,
Und nur voll Lust mit sel’ger
Ahnung spielet,
Ist Eins doch klar mir, was
die Seele fühlet: -
Die Nacht in stiller, hoher
Mäjestät,
Spricht lauter als es Sturm
und Donner künden:
Es ist ein Gott! du wirst ihn
allwärts finden!
III.
Wie Lotos Blüte duftig sich
erschließt,
Wenn Luna hehr am Himmel auf
sich schwinget,
Wie sanften Klanges Memnons
Säul’ erklinget,
Wenn sich aus Ost der gold’ne
Strahl ergießt, -
So schwillt mein Herz, wenn
Stille mich umfließt,
Wenn heil’ges Weh’n durch alle
Räume dringet,
Wie hin zum Licht im Frühling
Alles springet,
Mein Hoffen dann in tausend
Knospen sprießt.
Doch wenn des Lebens Strudel
mich erfaßt,
Wildreißend in die wüste
Brandung wieder,
Dann ach! in dieses Treibens
banger Hast
Verwelkt die Knospe, sinkt
mein Hoffen nieder,
Dann sehn’ ich mich hinab zur
stillen Rast,
Wo Schmerz nicht stört, nicht
Hoffen weckt die Lieder.