Friedrich Teich                      Abend

 

Der Abend hatte sich mit Dämmerschein

Und thau’gem Kuß um Thal und Höh’ geschlungen,

Mit Feierklängen bracht’ von tausend Zungen

Den letzten Gruß der West aus Flur und Hain.

 

Wo lichte, gold’ne Wölkchen sich verstreu’n,

Hat sich der letzte Strahl hinab geschwungen,

Zerfließend sanft in ros’ge Dämmerungen,

Im blauen Dfte ferner Bergesreih’n.

 

Wie Stille nun und Friede niederschwebt,

Nur leis durchzittert von des Abends Hauche,

So hat sich Ruhe mir in’s Herz geneigt;

 

Und wie der letzte Schein in Nacht verwebt,

Verschmilzt mein Lied mit jenem Hüttenrauche,

Der mit dem Abendsegen aufwärts steigt.

 

 

 

 

Friedrich Teich                      Tagesabschied

 

Schon über’s Thal der Tannen Schatten schreiten,

Indeß die Berge glüh’n im Abendschimmer,

Fern haschen Wölkchen nach dem letzten Flimmer,

Wie Kindlein sich um Vaters Küsse streiten.

 

Wie seh’ ich gern den Tag hinunter gleiten!

Wie sanft ermattend sich die Strahlentrümmer

Hier um die Höhen, dort und weiter immer

Zum Abschiedskuß mit Purpurarmen breiten.

 

Welch süßer Tod, mit offnen klaren Blicken

An jedes Herz den Scheidegruß zu schicken

Und lächelnd dann zum Licht hinüber schweben!

 

So möcht’ dereinst ich scheiden aus dem Leben,

Noch einmal was ich liebt’ im Arme halten,

Bis Herz und Lippen bleichen und erkalten.

 

 

 

 

Friedrich Teich                      Traurigkeit

 

O Traurigkeit! die du mit ernster Gluth

Mir frühe schon bist an das Herz gesunken,

Du weckest in der Seele Gottesfunken,

Die dort in tiefer Schlummerhaft geruht.

 

Wohl höhnt die Welt dich ob der Thränenfluth

Und Aberwitz nimmt dich für eitles Prunken,

Doch wer von deinem Kelche recht getrunken,

Dem flammet auf das Herz in Feuermuth.

 

Will nichts im Leben Stand und Dauer halten,

Sinkt Blüthen gleich was edel gut und schön,

Und siegt das Böse nur und das Gemeine: -

 

Umhüllend mich mit deines Mantels Falten,

Trägst du mich aufwärts zu des Himmels Höh’n,

Führst mich aus Nacht in Morgenlichtesreine.

 

 

 

 

Friedrich Teich                      Nachteinsamkeit

 

I.

 

Hier will ich ruh’n im Duft der Nacht, zu träumen

Und von der Brust des Tages Ketten streifen,

Bald trunk’nen Aug’s in alle Himmel schweifen,

Bald lauschen dort dem Flüstern in den Bäumen.

 

Ihr dort, in euren öden Hüttenräumen,

Wo nie des Lebens schön’re Frucht will reifen,

O könntet ihr die Wollen all’ ergreifen,

Die aus dem Schooße solcher Stunden schäumen!

 

Ihr aber irrt gebückt auf trüben Wegen,

Begierig haschend nur nach nicht’gen Schätzen,

Und Haß und Hader eu’ren Sinn umschließen;

 

O blickt zur Nacht inauf, daß ihren Segen

Der Liebe Allgewalt, verdrängend nied’re Götzen,

In’s Herz euch mög’ mit Himmelsodem gießen!

 

 

 

II.

 

Die Rüster ächzt und seufzend bebst der Strauch,

Die Birke flattert leis im Sternenlichte,

Ein Flüstern ist’s, wohin das Ohr ich richte,

Geheimnißvoll und doch verständlich auch.

 

Vernimmt mein Geist den wundermächt’gen Hauch,

Dann ist’s als säh’ ich himmlische Gesichte,

Als ob erschlössen sich von Schicht zu Schichte

Die Wunder bess’rer Welten meinem Aug.

 

 

Und ob der Sinn dies Alles kaum versteht,

Und nur voll Lust mit sel’ger Ahnung spielet,

Ist Eins doch klar mir, was die Seele fühlet: -

 

Die Nacht in stiller, hoher Mäjestät,

Spricht lauter als es Sturm und Donner künden:

Es ist ein Gott! du wirst ihn allwärts finden!

 

 

 

III.

 

Wie Lotos Blüte duftig sich erschließt,

Wenn Luna hehr am Himmel auf sich schwinget,

Wie sanften Klanges Memnons Säul’ erklinget,

Wenn sich aus Ost der gold’ne Strahl ergießt, -

 

So schwillt mein Herz, wenn Stille mich umfließt,

Wenn heil’ges Weh’n durch alle Räume dringet,

Wie hin zum Licht im Frühling Alles springet,

Mein Hoffen dann in tausend Knospen sprießt.

 

Doch wenn des Lebens Strudel mich erfaßt,

Wildreißend in die wüste Brandung wieder,

Dann ach! in dieses Treibens banger Hast

 

Verwelkt die Knospe, sinkt mein Hoffen nieder,

Dann sehn’ ich mich hinab zur stillen Rast,

Wo Schmerz nicht stört, nicht Hoffen weckt die Lieder.